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Festliches Galakonzert lässt Seelen ins Schwingen kommen 14.06.2010
Zum zehnjährigen Bestehen gab das Schwabenland Handharmonika-Orchester Kirchheim ein Jubiläumskonzert – Gaststars waren stimmgewaltige Don Kosaken  

Kirchheim. Das Schwabenland Handharmonika-Orchester Kirchheim (SHO) hatte für Freitagabend

Renate Schattel

zu einem festlichen Galakonzert aus Anlass seines zehnjährigen Bestehens in die Kreuzkirche eingeladen. Als besonderer Geburtstagsgast erschien der weltberühmte Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff. Pfarrer Bernd Küster freute sich, dass trotz Fussball-Weltmeisterschaft signifikant viele Besucher in die Kreuzkirche gekommen waren, und wünschte, dass die Seelen bei diesem Konzert Ruhe finden und ins Schwingen kommen mögen.

Dieser Wunsch wurde augenblicklich erfüllt, spielte sich doch das SHO gleich zu Beginn in die Herzen der Zuhörer. Unter der Leitung von Heinz Arnold aus Weingarten bezauberte das Ensemble mit staunenswerter Klangfülle, technischer Präzision und Spielfreude. Die Spieler benutzen vorwiegend diatonische Akkordeons mit wechseltönigem Diskant sowie wechseltönigem Bass, nur mit Knopfgriffen. Die unterschiedlichen Tonstrukturen bei Zug und Druck der Instrumente bewirken eine spannungsreiche Vielfalt der Klänge.

Erfahrene Handharmonika-Spieler aus ganz Baden-Württemberg hatten sich im Januar 2001 zusammengefunden, um unter der Leitung von Heinz Arnold konzertante Musik darzubieten. Er ist Gastdozent für diatonische Handharmonika am Hohner-Konservatorium Trossingen. Die Organisation übernahm der Kirchheimer Manfred Schneider, der in der Kreuzkirche den geeigneten Probenraum für das weit gereiste Ensemble fand. Dirigent Heinz Arnold wiederum bereichert das Ensemble auch durch eigene Kompositionen. Seine „Neuenburger Suite“ mit lautmalerischen Anklängen bot das SHO an seinem Jubiläumskonzert zu Gehör. Es folgten unter anderem Werke von Johann Sebastian Bach, Ludwig van Beethoven und zum krönenden Abschluss „Trumpet Voluntary“ von Jeremiah Clarke. Belohnt wurde das außergewöhnliche Orchester mit Standing Ovations und lang anhaltendem Beifall.

Der Don-Kosaken-Chor Serge Jaroff unter der Leitung von Wanja Hlibka konnte an diesem Abend nicht ganz das halten, was sein vorausgeeilter Ruhmesruf versprach. Natürlich sangen sie klanggewaltig, haben sie einen grandiosen Stimmumfang, begeisterten sie mit dem melancholischen Zauber der russischen Volksmusik, es sind ja auch alle Profisänger, die von großen osteuropäischen Opernhäusern kommen. Es mag an der drückenden Hitze gelegen haben, dass sie an diesem Abend immer wieder Intonationsprobleme hatten, spät zueinander und in den Rhythmus fanden. Dennoch tat die technische Schwäche dem phänomenalen Klangbad der Stimmen keinen Abbruch und russisch-orthodoxe Choräle und Volksweisen wie „Kalinka“ begeisterten und ließen staunen. Pfarrer Küsters Wunsch hatte sich mehr als erfüllt.

 Bericht SÜDWEST PRESSE ULM ALB BOTE  Kirchenkonzert Gruorn

Handharmonikaklänge in Gruorn Gruorn.  Das Schwabenland-Handharmonika-Orchester Kirchheim vereint erfahrene Spieler aus dem ganzen Land. Beim Benefizkonzert in der Stephanuskirche begeisterten die Musiker mit ihren exzellenten Darbietungen.

Autor: HEIKE FEUCHTER  (2.8.2010)

Die diatonische Handharmonika als Urahn aller Handzuginstrumente gerät zunehmend in Vergessenheit und ist vom Aussterben bedroht: Lehrer sind Mangelware, der Instrumentenbau kaum noch der Rede wert, die in Griffschrift geschriebene Literatur nicht mehr im Handel. Beidseits mit Knöpfen belegt, unterscheidet sich das Instrument äußerlich ganz deutlich vom mit Tastatur ausgestatteten Akkordeon, auch wenn das Klangbild der beiden Handzuginstrumente identisch ist. Eine weitere Besonderheit der Handharmonika ist die Wechseltönigkeit, so können mit 33 Knöpfen auf der Melodieseite durch Zug oder Druck des Faltenbalgs 42 Töne erzeugt werden.

Seit zehn Jahren haben sich im Schwabenland-Handharmonika- Orchester (SHO) unter Leitung von Heinz Arnold 17 erfahrene Spielerinnen und Spieler aus ganz Baden- Württemberg zusammengefunden, die der Handharmonika ihre Anerkennung als vollwertiges Konzertinstrument verschaffen. Jedes Jahr kommen die Orchestermitglieder zu zwei Wochenendseminaren und sechs Ganztagesproben zusammen, um ihr im Bereich Klassik, konzertant und gehobene Unterhaltungsmusik angelegtes Repertoire zu erhalten und auszubauen.

So kamen die Konzertbesucher in der vollbesetzten Stephanuskirche in den Genuss einer facettenreichen und auf hohem Niveau stehenden Aufführung, bei der sich das Orchester als homogener und sensibel reagierender Klangkörper zeigte. Auf ihren der Kirchenorgel vom Klangbild her am nächsten verwandten Instrumenten präsentierten die Musiker ein hochkarätiges Programm und begeisterten mit dynamischem und präzisem Spiel. Volltönend oder zart-inniglich erklangen die von Heinz Arnold bearbeiteten Werke bedeutender Komponisten ohne weitere Unterstützung durch Schlag-, Tasten- oder Rhythmusinstrumente: Handharmonika pur.

Sehnsüchtig schwebten die Töne der spanischen Sarabande von Georg F. Händel durch den Kirchenraum, tempo- und facettenreich erklang die Badinerie aus der Suite h-moll von J.S. Bach. Im Zeitalter des Barocks geschrieben wurde das luftige und beschwingte "Trumpet Voluntary" von Jeremiah Clarke, das trotz einfacher Struktur unsterblich geworden ist, eine Hommage an die Barockmusik stellte das modern gestaltete "Barocco" von R.v. Berlingen dar.

Zum Dahinschmelzen und Wegträumen luden volltönende und bekannte Werke wie "Jesus bleibet meine Freude" oder "Air" aus der Suite Nr. 3 ein, beide aus der Feder von Großmeister J.S. Bach - emotionsvoll und mit viel Spielfreude vom Orchester dargebracht. Dass Heinz Arnold nicht nur als souverän agierender musikalischer Leiter, sondern auch als Komponist überzeugt, zeigten seine eigenen Kompositionen: das lebhafte und schwungvolle "Toccata" gefiel ebenso wie das langsam anschwellende und sich in gewaltig brausenden Klängen entladende "Hymnus".

Ein mächtiges Epos brachten die Musiker mit dem heroischen "Die Himmel rühmen" von L.v. Beethoven exzellent zu Gehör, bevor das Publikum mit der innigen und berührenden Zugabe "Ich bete an die Macht der Liebe" charmant aus dem stimmungsvollen Konzert komplimentiert wurden.

Die schöne Stimmung aus dem Kirchenraum wurde von den Besuchern mit auf den um Kirche und Friedhof ausgerichteten Ständerling transportiert. Noch lange verweilten die Gäste bei Sekt und Gebäck, ließen die Musik nachwirken, genossen den Sonnenuntergang und die schöne Atmosphäre rund um Gruorn.

 

 


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